Seelenfriedhof  Leseprobe

Josef Krammerbauer räkelt sich herzhaft gähnend, die Arme empor ragend aus dem wohl temperierten Nachtquartier um schlürfenden Schrittes die Kaffeemaschine zu erreichen.
Josef Krammerbauer hatte sich den Wecker auf vier Uhr gestellt, er hat doch heute Morgen etwas ganz besonderes vor.
Die elektrische Beleuchtung schmerzt noch in den Augen, aber eingespielte Tätigkeiten wie das aktivieren des Kaffeevollautomaten erledigt Josef K. auch mit zugekniffenen Augen bravourös.
Langsam fassen sich seine Gedanken und er gedenkt sehnsüchtig seinem heutigen Vorhaben, welches er ja schon von langer Hand sorgsam geplant hatte.
Den noch etwas zu heißen Kaffee schlürfend, holt ihn ein verräterisches Knacken des alten Schiffbodens schlagartig in die viel zu helle Realität zurück.
„Guten Morgen Seppel“ raunt es etwas verschlafen aus dem Türbogen, welches einer noch sichtlich vom Schlaf gezeichneten Frau Krammerbauer entspringt.
Ein spürbar spontanes aber doch gelassenes „Guten Morgen“ wir erwidert, ist doch Frau K.
in die heutigen Pläne ihres langjährigen angetrauten, so geschätzten Gatten bestens eingeweiht.
Fast noch im selben Atemzug fordert Josef K., verhalten freundlich, aber mit bestimmtem Unterton seine Gattin auf, sie möge sich doch noch einige Zeit dem erholsamen Schlaf hingeben, benötigt Herr K. doch zu dieser Stunde und vor allem seinem Vorhaben vorgelegenem Zeitraum, innere Ruhe und klare Gedanken.
Da wäre morgendlicher Smalltalk absolut unangebracht.
Frau K. leistet der eindeutigen Aussage ihres Gatten wortlos Folge, und strebt leicht benommen aber doch zielstrebig das Schlafgemach an.
Kaum war das Schließen der Schlafzimmertür vernommen, stellt Herr K. sanft das kostbare braune doch so belebende Gut auf dem Küchentisch ab, erhebt sich schwerfällig am Tisch abstützend, um die so wichtige Vorbereitungsarbeit zu leisten.
Sanft gleitet der Schlüssel in den Zylinder der Versperreinrichtung des massiven, zweitürigen Eichenschrankes, welcher die geliebten Utensilien des Herr. K. in sich verbirgt.
Nach dem Herr K. beide Türen bedächtig geöffnet hatte, mustert er penibel genau seine bestens gewarteten Jagdgewehre, welche ihm ja schon so oft zuvor sehr gute Dienste und vor allem viel Freude bereitet hatten.
Unglaubliches Glücksgefühl durchströmt jede einzelne Faser seines Körpers beim Anblick seiner Sammlung, welche er selbstverständlich mit wohlklingenden weiblichen Namen versehen habe.
Wieder siegt das Gedankenspiel über die Realität, welches Herr K. postwendend auf seinen besten Hochstand versetzt.
Die Morgenröte ist längst eingebrochen und funkelnd spiegeln sich die ersten Sonnenstrahlen im unzähligen Grün des Waldes.

 
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